NAGELPRODUKTE

Frage einer Dame an eine Naildesign Fachzeitschrift „Ich bin Kundin in einem Nagelstudio. Nun wurde mir von einer Freundin aber erzählt, dass Acryl ganz gesundheitsschädlich sei. Meine Nail Designerin arbeitet vorrangig nur mit Acryl und ich befürchte, dass ich von ihr keine ehrliche Antwort bekomme. Nun wollte ich wissen, ob die Produkte wirklich gesundheitsschädlich sind?“ 

Das Thema der gesundheitlichen Verträglichkeit der Nagelprodukte ist schon immer eines gewesen, das die Gemüter erhitzt. Ist nun Gel besser als Acryl? Ist eines der beiden oder sind vielleicht sogar beide Materialien bzw. Systeme gesundheitsgefährdend? Wir haben dieses Thema einmal ausführlich recherchiert und Ihnen hierzu einige Fakten zusammengestellt.

 

 CHEMIE

Grundsätzlich muss festgestellt werden, dass Gelprodukte sowie auch Pulver-Flüssigkeits-Produkte in die chemische Familie der Acrylate einzuordnen sind. Prinzipiell sind es von den chemischen Zusammensetzungen her sehr ähnliche Stoffe, die letztendlich zu einem Kunststoff aushärten. Wie dann einige Ausbilder bzw. Firmen behaupten können, dass Produkte des einen Systems besser seien als die eines anderen Systems ist nicht nur unlogisch, es verunsichert die Nail- Designer und die Kunden des Nagelstudios ungemein. Fakt ist, dass in Produkten beider Systeme chemische Stoffe beinhaltet sind, die nicht in die Hände einer unausgebildeten und unwissenden Person gelangen sollten. Während in Gelprodukten Photoinitiatoren wie Hydrochinon, Benzophenone,Camphorquinone, Bisphenol-A sowie verschiedene Derivate ausnahmslos unter Verdacht stehen, erbgutverändernd und/oder karzinogen zu sein,ist in den Produkten des Pulver-Flüssigkeits-Systems Benzoylperoxidder Stoff, der so viele zur Aussage bewegt, dass er gesundheitsschädlich wäre und vom Gesetzgeber verboten sei.Tatsächlich ist Benzoylperoxid (= BPO) als Medikament einzustufen und darf unter diesem Gesichtspunkt nur von Ärzten bzw. Apothekern an Dritte verkauft werden. Die Kosmetikindustrie hat dem Expertenteamder EU (SCCNFP) glaubhaft vermitteln können, dass BPO nur in unausgehärtetem Zustand als bedenklich einzustufen sei, und daraufhin wurde dieser chemische Stoff mit einer nachzuweisenden Höchstgrenze belegt.

 Ganz ähnlich erging es dem Inhaltsstoff Hydrochinon, das in den Gelprodukten zu Beanstandungen führte. Auch dieser Stoff wurde vom Expertenteam der EU mit Höchstgrenzen belegt, die ein Hersteller, bzw.ein Vertrieb oder Distributor nachweisen bzw. als verkehrsfähig zulassen muss.

 

 KOSMETIKVERORDNUNG

Dass bestimmte chemische Stoffe, die in Produkten enthalten sind, nicht ganz unbedenklich sind, wird in der Kosmetikverordnung festgestellt und die einzelnen Inhaltsstoffe werden nach drei Kategorien geordnet:verbotene Inhaltsstoffe, Inhaltstoffe, die mit Höchstgrenzen belegtsind und Stoffe, die unbedenklich einsetzbar sind. Durch das Inkrafttreten der KVO wurden die Mitgliedsländer der EU verpflichtet, die beinhalteten Vorschriften in Landesrecht umzusetzen. Darüber hinaus ist es seit diesem Zeitpunkt vorgeschrieben, dass Hersteller und Vertreiber die Produkte für den Verkauf im Markt zulassen. Dies heißt, dass der„In-Verkehr-Bringer“, also die Firma die Produkte an einen anderen verkauft, dafür Sorge zu tragen hat, dass die Bestimmungen eingehalten werden und dass dies von einer außenstehenden Stelle,nämlich einem vereidigten Chemiker, bestätigt wird. Erstmalig in der Geschichte der Verordnungen hat nun nicht mehr der Gesetzgeber die Verpflichtung, ein Vergehen zu beweisen, sondern die Industrie muss nun belegen, dass sie dem Gesetz Folge leistet. Für viele Firmen bedeutete dies einen erheblichen Kosten- und Zeitaufwand und einige kleinere Distributoren und Vertriebe mussten in Bezug auf Produkte für die Nagelindustrie ihre Einkaufsstrategien überdenken.Doch während sich der Großteil der etablierten Firmen mit viel Zeit und großem Kostenaufwand an die neuen Gesetzgebungen hält, gibt esimmer noch einige, die von der Annahme ausgehen: „Wo kein Kläger,da kein Richter!“ Unter diesem Aspekt ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Firmen, die ihr Produktsortiment überprüfen und zugelassen haben anderen Mitanbietern, die dieser Verordnung nicht nachgekommen sind, mit gerichtlichen Schritten drohen und beiden Behörden eine Überprüfung beantragen. Jedoch ist aus dieser Situation keine Gefährdung für Nail Designer oder Kunden abzuleiten, da es sich hierbei nur um die Zulassung der Produkte handelt, die in den Verkehr gebracht werden sollen. Die meisten der heute gehandelten Produkte sind von der Zusammensetzung her für den geschulten und ausgebildeten Nail Designer und seine Kunden unbedenklich.

Einige wenige Ausnahmen könnten sogenannte MMA (Methylmethacrylate) sein, die unter Umständen aus dem außereuropäischen Ausland über dunkle Kanäle auf unseren Markt gelangen.

Die meisten Firmen verkaufen ihre Produkte nur an ausgebildete und gewerblich gemeldete Nail Designer. Auch wenn hierdurch Umsatzeinbußen hingenommen werden müssen, ist es für die Firmen ein ethischer Grundsatz, der alsSchutz der Verbraucher und letztendlich auch des Nail Designers zu begrüßen ist. Nachdem der Gesetzgeber diese und noch weitere Produkte mit dem Aufdruck „Nur für den gewerblichen Gebrauch“versehen lässt, ist nur noch zu bemängeln, dass der Gewerbeschein in Deutschland für jedermann erhältlich ist. Doch hier ist der einzelne Nail Designer gefordert, einen Beitrag zum Schutze seines Berufs zu leisten und sich an die Verordnungen zu halten die in Deutschland gelten.

Informationen für die Kunden über die Produkte und Arbeitsweisen sind wichtig. WederGel- noch Pulver-Flüssigkeits-Produkte sind gesundheitsschädlich.Sachgerecht verarbeitet, stellen Sie keine Gefahr, weder für dieKunden noch für den Nail Designer dar.

Mitfreundlichen Grüßen ,Quelle Fachzeitschrift für Naildesign,  

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